Der einsame Kampf der Peschmerga

Hier ist eine sehenswerte Dokumentation über den Kampf der Kurden gegen den IS in Sindjar/Shingal im Irak:

Ein dazu passender Artikel von Anfang November 2014 :

Es gilt einen Völkermord zu stoppen

Die deutsche Waffenhilfe für die Kurden ist richtig.

Anfang August dieses Jahres weitete der IS seinen Eroberungsfeldzug auf den Distrikt Sindschar im Nord-Irak aus. Sindschar ist der arabische Name der Region, der kurdische Name lautet Shingal. Das Volk der jesidischen Kurden stellt dort die Bevölkerungsmehrheit. Es handelt sich um eine monotheistische Religionsgemeinschaft mit  weltweit ca.800.000 Anhängern. Die meisten JesidInnen sind in der Region Shingal beheimatet. Der Vorstoß des IS führte zu einer Massenflucht von hunderttausenden Menschen in die kurdische Autonomieregion im Osten des Irak. Weder die irakische Zentralregierung, noch die kurdischen Peshmerga-Armee konnten anfangs den Vormarsch des IS aufhalten. Innerhalb weniger Tage war also ein ganzes Volk auf der Flucht. Der IS hatte durch Massenexekutionen bewiesen, dass seine Gegner und Andersgläubige mit Ermordung oder Versklavung zu rechnen haben. Mehrere Tausend Frauen wurden versklavt. Sie werden immer noch wie Vieh auf Märkten in Syrien und im Nord-Irak gehandelt. Es wurden tausende  Zivilisten in ihrem Dörfern und Städten umgebracht oder sie sind auf der Flucht ums Leben gekommen.

Spektakulär war Anfang August die Flucht von über 20.000 Menschen, die sich in  das Shingal Gebirge retteten. Es bildete sich dort eine jesidische Widerstandgruppe (HPS), die gemeinsam mit syrisch-kurdischen Milizen (YPG) ihre Menschen im Gebirge vor dem IS verteidigte und sich einen Fluchtkorridor im Norden freikämpfte. Doch nicht alle JesidInnen flohen von dort. Viele Tausende schlossen sich dem Widerstand an und verteidigen bis heute die letzten freien Gebiete im Shingal-Gebirge; darunter die Pilgerstätte Sherfedin am Rande des Gebirges. Sheikh Sherfedin war ein jesidischer Anführer im 13. Jahrhundert, der schon damals als Personifizierung des Widerstandes galt. Die Pilgerstätte ist nun auch im Jahre 2014 zum Symbol des Überlebenskampfes des jesidischen Volkes geworden.

Humanitäre Hilfe ist angelaufen, aber in weit größerem Umfang als bisher notwendig, damit die Flüchtlinge im Nord-Irak den Winter überleben. Den im Gebirge verbliebenen 7000 Zivilisten und 3000 WiderstandskämpferInnen kann angesichts der militärischen Bedrohung nur militärisch geholfen werden. Auch die Peshmerga im Osten und die YPG im angrenzenden Syrien kämpfen heute einen verzweifelten Kampf gegen die bestens ausgerüsteten IS-Truppen. Die westliche Luftunterstützung konnte den Vormarsch des IS zwar aufhalten, aber die Shingal-Region ist weiterhin unter Kontrolle des IS.  Ende Oktober wurde, als erster Schritt zur Rückeroberung von Shingal, die Stadt Zumar durch die Peshmerga erobert. Es wurden dabei die von der Bundeswehr gelieferten Waffen durch Peshmerga-Truppen erfolgreich verwendet.

Die Bundesrepublik Deutschland erkannte frühzeitig, dass eine Einmischung in diesen Konflikt aus moralischen Gründen geboten ist. Diese Art der Hilfe ist in der deutschen Öffentlichkeit offensichtlich umstritten. Fundamentaler Pazifismus ist angesichts der aktuellen Menschenrechtsverletzung im Nord-Irak und Syrien leider wenig  hilfreich. Die westliche Welt hat jetzt die Möglichkeit, das militärische Ungleichgewicht zwischen den Konfliktparteien zugunsten der unschuldigen Verteidiger zu verändern. Wir können die Beendigung dieses Völkermordes nicht Regierungen in der Region überlassen, die bisher weitgehend nur ihre eigenen geopolitischen Ziele im Auge hatten. Die deutsche Waffenhilfe für diesen Konfliktraum kann mit anderen strittigen Waffenexporten der Rüstungsindustrie nicht gleich gesetzt werden. Sie muss als Nothilfe zur Selbstverteidigung des bedrohten kurdischen Volkes gesehen und daher als nicht völkerrechtswidrig betrachtet werden. Das Völkerrecht gebietet eine solche  Einmischung. Deutschland hat die „Konvention zur Bestrafung und Verhütung des Völkermordes“ ratifiziert. Deshalb dürfen wir uns hier und jetzt  nicht der internationalen Solidarität mit den  hilflosen und bedrohten Völkern dieser Welt entziehen. Spekulative Annahmen über den späteren Verbleib der gelieferten Waffen dürfen nicht schwerer wiegen als die erwiesenen Verbrechen gegen die Menschlichkeit.

Und hier ein aktueller Bericht aus der Region:

http://diepresse.com/home/politik/aussenpolitik/4663242/Die-Massengraeber-der-Jesiden

Eine Antwort zu “Der einsame Kampf der Peschmerga

  1. Nussbaum, Klaus-D.

    Ich finde den Artikel gut. Er ist immer noch zeitnah. Durch den Einsatz von Franzosen, Briten, Amerikaner und jetzt auch endlich von Russen dürften die Grausamkeiten der IS hoffentlich zurückgehen. Es ist völlig unverständlich, wieso so viele junge Moslems sich der IS anschließen, denn der Koran verbietet die Tötung! Möge der internationale Aufruf zur Bekämpfung des Terrors Erfolg haben.

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